Enricos Reisenotizen

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Willkommen im Deck 50 im Naturhistorischen Museum Wien

Unter Dinos auf Deck 50 im NHM WienUnter Dinos auf Deck 50 im NHM Wien

Im oder auf? Egal. Das Deck 50 ist ein Teil des Naturhistorischen Museums in Wien. Brand new. Und neben den Sauriern im Museum der neue Lieblingsort meines Enkels.

Die Bezeichnung hat ihren Ursprung im alten Nummerierungssystem der Säle des Museums. Aber das ist sicher das einzig „Alte" dieses neuen Raumes. Denn im Inneren des Deck 50 erwartet die Besucher „Museum at his best!".

Folgt einfach der Leuchtspur zum Deck 50 (Foto © NHM/APA Fotoservice, Krisztian Juhasz)
Folgt einfach der Leuchtspur zum Deck 50 (Foto © NHM/APA Fotoservice, Krisztian Juhasz)

Ich könnte jetzt euch viel über die professionellen Hintergründe und Überlegungen zum Deck 50 erzählen. Wie man Wissenschaft näher an die Menschen „heranrücken", sie in den Forschungsprozess mit einbinden möchte und vieles mehr. Aber ich habe mich entschlossen, euch einfach von meiner und der Begeisterung meines vierjährigen Enkels zu erzählen. Ich glaube, das überzeugt euch mehr, um dem Deck 50 unbedingt einen Besuch abstatten muss.

Die Dinoshow – darauf haben wir gewartet…

Mein Enkel ist ein echter Dinofan. Nicht nur das hat mir auch eine Jahreskarte im Naturhistorischen Museum in Wien eingebracht, die sich übrigens schon voll rentiert hat. Seit dem ersten Besuch bei unserem brüllenden Allosauerier kommen wir mehr oder weniger regelmäßig um den Sauriern einen Besuch abzustatten, den Vulkan zum Ausbruch zu bringen oder mit dem Moonrover eine Runde zu drehen. Dann hörte ich erstmals von der geplanten Dinoshow und wir konnten es beide kaum erwarten.

Die Welten der Dinos ...
Die Welten der Dinos ...

Jetzt ist sie da! Im Deck 50 erwartet euch eine elf Meter lange LED-Wand, auf der jeden Mittwoch und Freitag um 15:30 Uhr und am Wochenende und feiertags um 10:30 Uhr und um 17:00 Uhr die Saurier „losgelassen" werden. Auf einer Zeitreise geht es durch die verschiedenen Welten der Trias, Jura und Kreide und so nebenbei erfährt man auch so manches Wissenswerte über Saurier und diese Zeit, aber das ist nicht das Highlight. Bereits zu Beginn sieht man wie zwei Raubsaurier einen erlegten Saurier fressen – dann reist man weiter und es kommen die Plateosaurier ins Bild. Liebe Pflanzenfresser, riesig zwar, aber man muss sich nicht vor ihnen fürchten. Und dann das erste Highlight. Ein Freiwilliger/eine Freiwillige wird ausgesucht, stellt sich auf den runden Kreis vor der Wand und landet – schwupps – vor den riesigen Echsen. Wenn diese besonders gut gelaunt sind, beugen sie sich zum Kind herunter und lassen sich sogar am Kopf streicheln, manchmal auch nur am Hals. Aber es ist egal: fast alle Kinder möchten gerne dort stehen.

Wenn der große Saurier kommt,  braucht man schon Nerven um hier wirklich stehen zu bleiben ...
Wenn der große Saurier kommt, braucht man schon Nerven um hier wirklich stehen zu bleiben ...

Doch es geht noch weiter: Ein Riesensaurier geht vorsichtig über das Kind oder die Kinder hinweg, bleibt stehen und – platsch – schon deckt ein riesiger Haufen „Sauriersch…" die Kinder zu. Keine Angst, sie erscheinen gleich wieder und schon erfolgt der Hinweis, dass man sich den großen Haufen im Sauriersaal des Museums „in echt", wenn auch "versteinert" noch einmal ansehen kann. 

Es ist ein Riesenberg an Sch.... - aber die Dinos sind ja auch wirklich groß
Es ist ein Riesenberg an Sch.... - aber die Dinos sind ja auch wirklich groß

Die Teilnahme an der Show schlägt sich mit 5 Euro zu Buche, Dauer ist ungefähr 20 Minuten und glaubt mir, es lohnt sich.

Doch das ist noch lange nicht alles. Bei unseren letzten Besuch waren wir 1 ½ Stunden vor der Show im Deck 50 und ich dachte nicht, dass mein Enkel so lange durchhalten wird. Hat aber wunderbar geklappt – denn es gibt noch viele andere Stationen, die frei und kostenlos zugänglich sind, wenn keine Shows oder Workshops stattfinden.

Unterwasserwelt, Höhlenwand oder Museumsvitrine 

In der „Show-freien" Zeit verwandelt sich die LED-Wand in eine Unterwasserwelt, eine Höhlenwand oder eine Museumsvitrine, die die Besucher mitgestalten können. Zeichenpapier und Stifte liegen am Tisch davor und schon kann das Malen beginnen. Das gezeichnete Motiv wird dann eingescannt und Schwupps erscheint es an der Wand.

Mag.a Méhu-Blantar, die Leiterin von Deck 50 präsentiert hier die Unterwasserwelt
Mag.a Méhu-Blantar, die Leiterin von Deck 50 präsentiert hier die Unterwasserwelt

Da ich zuerst nur die Unterwasserwelt kannte und total auf einen Fisch fixiert war, haben wir einen Fisch an die Höhlenwand gezeichnet – aber vielleicht ist das ja auch der versteinerte Abdruck des Fisches ….

Unsere Fische auf der Höhlenwand
Unsere Fische auf der Höhlenwand

Auf jeden Fall können so die Besucher die Wand in ihrem Sinne mitgestalten – ebenfalls ein Riesenspaß.

 Der Wolf

Der Wolf war fast ausgestorben, nun beginnt er sich langsam wieder sein Gebiet zurückzuholen. Doch wie reagiert der Mensch darauf? Wer ist dafür, wer dagegen? Wer will ihn eher beschützen, wer wieder vernichten? Eine Station mit Bildschirm und Kopfhörern gibt darüber Auskunft. Und da man am Bildschirm dabei das jeweilige Video sieht und mit Wischen und Drücken die Beiträge aussuchen kann, war auch Fabian dabei und hat sich recht geduldig angehört, was der Jäger und der Wolfexperte zu sagen hatte und ob sich Museumsbesucher fürchten, so sie einem Wolf begegnen.

Der Wolf und unser Versuch ihn zu zeichnen
Der Wolf und unser Versuch ihn zu zeichnen

Dann kann man auch noch einer KI sagen, welche Bilder man mag und welche nicht und sogar eines selber zeichnen, dass dann hinter dem Wolf auf einer weiteren, kleineren LED-Wand eingeblendet wird. Toll.

Das Labor 

In dem kühlen weißen Raum werden eigentlich Workshops für die Größeren abgehalten, aber wir haben dort zwei Kisterln mit Sand und jeweils 2 Pinsel entdeckt. Ausgrabungen? Was der Sand wohl verbirgt? Schon waren wir dabei den Sand vorsichtig wegzuschaufeln und schon kamen die ersten Knochen zum Vorschein.

Blick ins Labor (Foto © NHM, Christina Rittmannsberger)
Blick ins Labor (Foto © NHM, Christina Rittmannsberger)

Eigentlich hätten wir zwar lieber ein Saurier-Skelett ausgegraben, aber es war schon auch interessant, die beiden menschlichen Skelette fast vollständig freizulegen. Für die Größeren gibt es dazu noch Tabletts, mit denen man dann die einzelnen Knochen und einiges mehr bestimmen kann und den „Archäologen" auch einige Aufgaben gestellt werden. Vielleicht machen wir dies das nächste Mal.

Essbare Meerestiere

Diese interaktive Station haben wir dieses Mal nur kurz gestreift, da Fabian meinte, dass er keine Tintenfische und das andere „Getier" essen mag.

Station
Station "Essbare Meerestiere"

Recyclen 

Am Ende des Raumes findet sich ebenfalls eine interaktive Station, die zeigt, welche verschiedene Stoffe und Materialien in unseren Handys stecken. Man erfährt auch wo diese Rohstoffe vorkommen, wie man sie gewinnt und wie man sie auch wieder rückgewinnen kann, nachdem das Handy das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat. Diese Station kannte ich zwar vom Pressetermin, für einen Vierjährigen aber klarerweise noch nicht sooo interessant.

Braucht es jedes Jahr ein neues Handy? Und welche Materialien können wir zurück gewinnen?
Braucht es jedes Jahr ein neues Handy? Und welche Materialien können wir zurück gewinnen?

Kleidung

Was hat man eigentlich früher – also ganz früh – getragen und wie wurden die Stoffe hergestellt? Auch das kann man sich auf Deck 50 ansehen, ausprobieren und man kann auch der Wissenschaft mitteilen, was man so gerade trägt.

Wenn man sehen kann, was aus der
Wenn man sehen kann, was aus der "Weberei" geworden ist, ist es natürlich interessanter ...
Am Bildschirm bilden sich daraus Wortketten. Diese waren für uns schon interessant, der Rest eigentlich weniger. Aber das kann ja noch kommen.

Chillen und in Büchern blättern

Mit diesen Stationen war eigentlich die Wartezeit wie im Flug vergangen. Die restlichen 20 Minuten haben wir uns gemütlich auf den Sitzflächen niedergelassen und in den Büchern geschmökert, die dort zur freien Entnahme stehen. So ein Glück, dass hier auch wieder Saurier und Dinos abgebildet waren.

Blick in den Raum von Deck 50 (Foto © NHM, Gebhard Sengmüller)
Blick in den Raum von Deck 50 (Foto © NHM, Gebhard Sengmüller)

Für mich ist das Deck 50 daher ein voller Erfolg, Museum wie es sein soll: interessant, spannend und auch lustig mit einem Augenzwinkern. Egal, ob man nun die Dinoshow (es gibt aber auch noch andere Events hier, dazu gleich später) bucht oder sich einfach nur im Raum umsieht und sich einmal durch alle Stationen „testet". Das Deck 50 bietet wirklich einiges – für Groß und Klein. Und ich denke, es wird mit dem Dinosaal unser neuer Lieblingsbereich im Naturhistorischen Museum. Die Jahreskarte werde ich also demnächst verlängern …. 

Was das Deck 50 aber noch alles bietet:

 Science Quiz

Hier kann man sein Wissen erweitern, ohne sein Unwissen zeigen zu müssen. Vier verschiedene Themen stehen derzeit bereit: Insekten, Licht und Dunkelheit, Lebensmittelcheck und Bewegung.

Tja, warum sieht die Katze nun im Dunkeln so gut?
Tja, warum sieht die Katze nun im Dunkeln so gut?

Bei jeder Frage zu dem gewählten Wissensgebiet wird mittels Karte, die in die Kamera gehalten wird, abgestimmt und das Ergebnis aller auf der LED-Wand angezeigt. Ich oute mich jetzt gleich: Meine Antwort zur Frage: Warum eine Katze so gut sehen kann war – wie bei vielen anderen auch – bei der Pressevorführung falsch.

Die Karte richtig in die Kamera Halten und schon wird die Antwort gezählt
Die Karte richtig in die Kamera halten und schon wird die Antwort gezählt

Auch für das Science Quiz ist eine Anmeldung erforderlich und ein Kostenbeitrag von 5 Euro zu bezahlen. Quizzen kann man am Wochenende und feiertags jeweils um 16:15 Uhr.

 Das Mikrotheater

 Das Mikrotheater gibt es im Naturhistorischen Museum schon lange. Mit dem Deck 50 erhält es aber nun eine neue Bühne und kleinste Lebewesen werden bis zu 1000fach vergrößert auf die riesige LED-Wand projiziert. Bakterien, Einzeller oder Wasserflöhe werden sich hier am Wochenende und an Feiertagen um 15:30 Uhr tummeln. Kosten: ebenfalls 5 Euro.

Micro-Lebewesen - ganz groß
Micro-Lebewesen - ganz groß

 Meet a Scientist

Auf diese Show müssen wir noch ein bisschen warten: Sie startet ab November, an ausgewählten Mittwochabenden um 17:00 Uhr und wird kostenlos sein.
ForscherInnen tauchen dabei in die Geheimnisse des Korallenschleims bis zur Namenssuche von Urzeitkrebsen ein, erzählen ihre persönliche Geschichte und geben Einblick in ihren Alltag als WissenschaftlerIn. Dazu bringen sie Bilder und Sammlungsobjekte aus dem Museum mit und berichten über Spannendes aus der Wissenschaft.

Meet a Scientist (Foto © NHM, Stefan Gergely)
Meet a Scientist (Foto © NHM, Stefan Gergely)

Ihr seht also, es gibt jede Menge Neues und Spannendes im Naturhistorischen Museum. Viel Spaß und vielleicht treffen wir uns ja bald …
Das Naturhistorische Museum Wien ist von Mittwoch bis Montag von 9:00 Uhr bis 18:30 Uhr geöffnet. Dienstag ist geschlossen. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 12 Euro, eine Jahreskarte (empfehlenswert für Dinofans) kostet 33 Euro. Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre und Besitzer eines Kulturpasses haben freien Eintritt.

Brettchen weben (Foto © NHM, Stefan Gergely)
Brettchen weben (Foto © NHM, Stefan Gergely)

Bitte die aktuellen Covid-19-Vorschriften beachten.

Ein Dialog im MAK
Bei Alma Karlin im Weltmuseum Wien

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