Van Gogh Alive in der MetaStadtVan Gogh Alive in der MetaStadt

Eine van Gogh Ausstellung ist in der Stadt? Da muss ich hin, auch wenn keine Originale gezeigt werden. 

Diese Ausstellung ist wirklich komplett anders als man sich eine Gemäldeausstellung vorstellt. Riesige Wände, auf denen die Werke von van Gogh projiziert werden. Aber der Reihe nach.

Ein Blick in die Ausstellung
Ein Blick in die Ausstellung

In der MetaStadt – wo an Wochenenden häufig ein Flohmarkt stattfindet-, einem großem ehemaligen Industrieareal (?) kann man nun in einem der Gebäude van Gogh bis zum 8. März 2022 in einer gänzlich anderen Art bewundern. Tickets können online oder vor Ort erworben werden und haben einen stolzen Preis: 25 Euro für den Eintritt in eine Ausstellung, für die man als Mindestbesuchsdauer eine Stunde empfiehlt. Buchen muss man eigene Zeitfenster, die stündlich vergeben werden. Wer vor Ort bucht oder zu seinem Zeitfenster zu spät kommt, kann die Ausstellung nur besuchen, wenn noch genügend Platz vorhanden ist.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über die einzelnen Lebensabschnitte des Künstlers
Die Ausstellung gibt einen Überblick über die einzelnen Lebensabschnitte des Künstlers

Ich empfehle euch zeitgerecht anzureisen. Die Ausstellung widmet sich chronologisch dem Leben von Vincent van Gogh und ist ein vier Abschnitte eingeteilt. Pünktlich zu Beginn jedes Zeitfensters (zu jeder vollen Stunde) beginnt die Vorführung.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Im Vorraum kann man sich aber in die Lebensgeschichte des Künstlers einlesen – und wenn man knapp zu Beginn kommt, dann kann es auch passieren, dass ihr den Anfang der Vorführung verpasst. Das spielt zwar keine allzu große Rolle, denn man kann nach Eintritt so lange in der Ausstellung bleiben wie man möchte, aber irgendwie finde ich es besser die Infotafeln, die übrigens einen guten Überblick verleihen zu lesen und dann mit der Show von vorne zu beginnen. Plant also am besten einige Zeit vorab ein.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Dann geht es weiter in die eigentliche Ausstellung. In einem großen dunklen Raum sind mehrere große Projektionsflächen aufgestellt, auf denen dann die Werke Van Goghs gezeigt werden. Dazu hört man klassische Musik. Als Besucher kann man herumgehen, oder es sich auf einem der Sitzsäcke gemütlich machen und die Show genießen. Angeblich werden in der Vorführung, die um die 35 Minuten dauert, 3000 Bilder gezeigt. Es sind viele – wenn auch nicht alle von Vincent van Gogh gemalt.

Mein Eindruck: 

Auf der einen Seite war ich fasziniert, bekannte Bilder oder seine Porträts einmal in dieser Größe zu sehen. Das ist schon beeindruckend. Selbst die Pinselstriche sind riesengroß zu sehen. Auf der anderen Seite verlieren manche Bilder für mich durch diese Riesengröße ihre Wirkung, ihren Ausdruck. Ich habe das vor allem beim Fotografieren bemerkt. Hier das Bild riesengroß an der Wand – dann der Blick durch die Kamera und plötzlich und erst in der kleinen Version spüre ich wieder dieses wunderbare Van Gogh-Gefühl, das sich bei mir immer beim Betrachten seiner Werke einstellt.

Welches Bild ist das Original? Oder sind alle Versionen Ausschnitte?
Welches Bild ist das Original? Oder sind alle Versionen Ausschnitte?

Außerdem bin ich fast überfordert, wenn mehrere Bilder gleichzeitig projiziert werden. Wohin soll ich als erstes schauen? Ich liebe es, im Museum bei einem Bild verweilen zu können, mich in das Bild und seinen Ausdruck hineinversetzen zu können – diese Möglichkeit geht hier verloren. Der Projektor schaltet um, und schon ist die Wand leer oder das nächste Bild wird gezeigt. Jemand anderer bestimmt, wie lange ich ein Bild betrachten kann. Natürlich kann ich mir die Show noch einmal anschauen, aber immer nur im selben Durchlauf.

Viele der Porträts kannte ich noch nicht
Viele der Porträts kannte ich noch nicht

Hin und wieder sind Ausschnitte, Details von Bildern zu sehen. Doch wie sieht das gesamte Bild aus? Wurde es in Hoch- oder Querformat gemalt? Quadratisch? Bei vielen Bildern geht diese Information verloren. Der Inhalt wird einfach an die Projektorwand angepasst – ein Punkt mit dem ich in der Ausstellung sehr gehadert habe. Besonders bei jenen Bildern, die mir unbekannt oder nicht so geläufig waren.

Zu vielen Bildern wurden auch Kommentare des Künstlers projiziert
Zu vielen Bildern wurden auch Kommentare des Künstlers projiziert

Was mir jedoch besonders gut gefallen hat, waren die Kommentare des Künstlers, die zu einigen seiner Werke eingeblendet waren. Mit den Infos über seinen Lebensabschnitt und den Bildern bringen diese Kommentare den Menschen Vincent van Gogh dem Besucher näher. Man sieht auch die Bilder mit anderen Augen, kann sich besser in sie hineinversetzen.

Die japanische Kunst beeinflusste auch van Gogh
Die japanische Kunst beeinflusste auch van Gogh

Wunderschön und wahrscheinlich ein Mekka für alle Instagramer: der „Sonnenblumenraum". Sonnenblumen ohne Ende und die Spiegelwände und –decke sorgen dafür, dass es interessante Motive mit oder ohne Fotografen gibt. Schwierig ist es nur, den Raum leer anzutreffen – fast immer sind andere Besucher auch dabei nach dem besten Motiv und der besten Einstellung zu suchen.

Fazit: 

Ein neues Ausstellungserlebnis für alle van Gogh-Fans, das man durchaus besuchen sollte. Dennoch: der Eintrittspreis von 25 Euro scheint mir dennoch übertrieben. Alle Ausstellungsbesucher sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass die Werke nicht so lange betrachtet werden können, wie man es aus Museumsausstellungen gewohnt ist. Diese Zeit übernimmt die Multimediashow.

In einem Meer aus Sonnenblumen
In einem Meer aus Sonnenblumen
Mit Starry Starry Night (Vincent) von Don McLean auf den Lippen () verlasse ich die Ausstellung und bin doch froh, wieder einiges mehr über Vincent van Gogh gelernt zu haben und einige – für mich unbekannte – Werke von ihm gesehen zu haben. Und diese beiden Tatsachen sind mir die 25 Euro allemal wert.

  Noch ein paar Blicke in die Ausstellung: