Enricos Reisenotizen

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Der Höhlenpfad im Naturhistorischen Museum in Wien

Höhlen - Schatzkammern der WissenschaftHöhlen -Schatzkammern der Wissenschaft

Höhlen sind Schatzkammern der Wissenschaft. Um dies zu unterstreichen und das Internationale Jahr für Höhlen und Karst mitzufeiern, eröffnete das NHM Wien einen neuen Pfad durch seine Schausäle. 

 Ich bin ja ein ausgewiesener Fan des NHM in Wien, Jahreskartenbesitzerin und immer wieder begeisterte Besucherin in Begleitung meines ebenso begeisterten Enkels. Das neue Deck 50 mit seiner Dinoschau, aber auch die Saurierausstellung mit ihren vielen Videos und den interaktiven Stationen muss man einfach gesehen haben.

Spektakulär seilten sich Dipl.-Geogr. Pauline Oberender und Dr. Lukas Paul aus der Oberen Kuppelhalle zur Pressekonferenz ab
Spektakulär seilten sich Dipl.-Geogr. Pauline Oberender und Dr. Lukas Paul aus der Oberen Kuppelhalle zur Pressekonferenz ab

Daher war ich sehr erfreut als ein neuer Pfad über Höhlen im NHM angekündigt wurde. Die dazu gehörige Pressekonferenz war auch angetan in mir Begeisterung ob der Neuheit auszulösen.

Die Größe des Menschen bestimmt ob eine Höhle aus so genannt wird ober ob es
Die Größe des Menschen bestimmt ob eine Höhle aus so genannt wird ober ob es "nur" ein "Spalt" ist.

Zwei Höhlenforscher seilten sich von der Decke der Kuppelhalle ab, Mitarbeiterinnen und LeiterInnen der unterschiedlichsten Abteilungen des NHM, sowie die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Karst- und Höhlen-Arbeitsgruppen des NHM Wien stellten mit wunderschönen Bildern die Bedeutung der Höhlen nicht nur für die Wissenschaft vor, sondern für uns alle.

Der Karst - bedeutend für die bekannt gute Qualität des Wiener Hochquellwassers
Der Karst - bedeutend für die bekannt gute Qualität des Wiener Hochquellwassers

In diesen Schatzkammern der Wissenschaft lassen sich nicht nur Beweise für die Entwicklung der Fauna und Flora, unser Klima und neue, noch unerforschte Bewohner entdecken, sondern vor allem die Karstlandschaft sorgt dafür, dass wir auch reines Trinkwasser zur Verfügung haben.

Manche seltsame Tierchen bevölkern die Höhlen - manche wurden gerade erst entdeckt
Manche seltsame Tierchen bevölkern die Höhlen - manche wurden gerade erst entdeckt

Viele spannende Einblicke in die Höhlenforschung wurden uns vermittelt und meine Spannung auf den neuen „Höhlenweg" stieg mehr und mehr. Ich weiß nicht genau was ich erwartete: einen Saal umgebaut in eine Höhle? Interaktiv eine Show auf Deck 50? Einen breit ausgeschilderten Gang mit den wunderschönen Höhenbildern? Ein Aquarium mit lebenden Grottenolmen wie in der Postojna Höhle? Auf jeden Fall etwas Spektakuläres! Und das ist der neue Pfad auf jeden Fall einmal nicht.

Die Kenntnis über manch Vergangenes - wie hier die Moa - haben wir den Höhlen zu verdanken
Die Kenntnis über manch Vergangenes - wie hier die Moa - haben wir den Höhlen zu verdanken

Wer sich auf diesen Pfad begeben will, sollte sich auf jeden Fall die Broschüre darüber besorgen oder hier herunterladen. Ich hätte z.B. die erste Station gar nicht gefunden und wäre an der Vitrine vorbeigerauscht, die auch gleich die zweite Station beheimatet. Bei den Vitrinen oder Ausstellungsstücken weisen kleine runde Tafeln mit der jeweiligen Zahl darauf hin, an welcher Station ihr euch befindet. Damit könnt ihr auch in der Broschüre weiterführende Informationen erhalten. Manchmal gibt es auch eine Tafel mit zusätzlicher Information.

Station 1
Station 1

Um kurz noch bei der ersten Station zu verweilen: es ist die Vitrine in Saal 1, gleich rechts beim Eingang, die sich durch sehr viele unterschiedliche Steintafeln auszeichnet und die ich ehrlicher Weise bei einem Besuch ohne Führung und Hinweis ignoriert hätte.

Aber es gibt schon auch einige Highlight-Stationen. Meine ganz persönlichen möchte ich euch hier noch vorstellen. Die meisten Erklärungen sind der Broschüre entnommen, einige von mir ergänzt.

  Station 3 – Postojna-Tropfsteine (Saal 1)

Hier kann man die Stalagmiten (Bodenzapfen) aus der Postojnska jama in Slowenien bewundern. Diese wunderschöne Schauhöhle wurde 1818 entdeckt und um 1820 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1857 besuchten sogar Kaiser Franz Joseph II. und Kaiserin Elisabeth die Adelsberger Grotte, wie sie damals genannt wurde. 1872 wurde sie mit einer Eisenbahn erschlossen und dabei wurden diese Tropfsteine entfernt. Die Postojnska jama ist auch Heimat des Grottenolms, den wir im Laufe des Rundgangs auch noch kennen lernen werden. 2016 konnte man hier erstmals das Schlüpfen von „Drachenbabys" beobachten.

Stalagmiten aus der Postojna jama, der Adelsberger Grotte
Stalagmiten aus der Postojna jama, der Adelsberger Grotte

Die Gänge des Höhlensystems sind 24 km lang, noch heute führt eine „Eisenbahn" in die Schauhöhle und an der gegenüberliegenden Wand nahe der Decke kann man ein Bild von der Höhle beobachten. (Das Bild zählt als Station 4)

Wenn ihr noch mehr darüber wissen wollt, wir haben die sehenswerte Höhle besucht. Unseren Bericht findet ihr hier.

 Station 5 – Karsthöhlen im Steinsalz

Glitzerndes aus Höhlen
Glitzerndes aus Höhlen

Kaum zu übersehen ist der wunderschöne „Brocken" Steinsalz. Es kommt nur in extrem trockenen Gebieten an der Erdoberfläche vor.

 Station 7 – Krallentiere aus tropischen Karsthöhlen

Den Krallentieren aus den (damals) tropischen Karsthöhlen von Devínska Nová Ves bei Bratislava sollte man auch Aufmerksamkeit schenken. Immerhin wurden diese Höhlen vor rund 14 Millionen Jahren Fallen für den Anisodon. Dieses Krallentier lebte im späten Miozän in Europa war etwa 150 cm groß und wog um die 600 kg. Außerdem kann man hier die Knochen des nach Wien benannten Altweltaffen Epipliopithecus vindobonensis sehen.

Wir lernen sonderbare, längst ausgestorbene Tiere kennen
Wir lernen sonderbare, längst ausgestorbene Tiere kennen

 Station 8 – Rätselhafte Zwergelefanten

Rätselhaft geht es weiter. Oder habt ihr gewusst, dass auf mehreren Mittelmeerinseln Knochen von Zwergelefanten gefunden wurden? Vor allem in Höhlen, obwohl sich die Elefanten dort nicht länger aufgehalten haben.

Es gab auch einmal
Es gab auch einmal "Mini-Elefanten"

 Station 9 – Winterschlaf in der Höhle


Es geht tierisch weiter. Wer die Saurier im NHM öfter besucht, ist ihm sicher schon begegnet: dem Höhlenbären, die während der letzten Eiszeit in Europa weit verbreitet waren, aber vor ca. 25.000 Jahren ausgestorben sind. Sie waren Pflanzenfresser und um 50% größer als unsere heutigen Braunbären. In den Höhlen hielten sie Winterschlaf und brachten ihre Jungen zur Welt.

Höhlenbär Junior
Höhlenbär Junior

Das Skelett des kleinen Höhlenbären, der ungefähr 7 Monate alt war, ist eines der Highlights des NHM. In diesem Alter waren die Jungen meist schon außerhalb von Höhlen unterwegs, sodass kaum Knochen von ihnen erhalten blieben.

 Station 11 – Kultstätte Býčí-Skála

Der goldene Wagen ist mir schon bei früheren Besuchen aufgefallen, doch nie hätte ich ihn in einer Höhle vermutet und doch ist es so. Er stammt aus der Býčí-Skála, der zweitlängsten Höhle im Mährischen Karst. Sie wurde schon in der Altsteinzeit (vor ca. 14.000 Jahren) genutzt und diente in der Eisenzeit (5.Jh.v.Vhr.) als Kult- und Opferstätte. Dies belegen Skelettreste von über 40 Menschen, Schmuckstücke und drei Punkwägen.

Nie hätte ich diesen Wagen in einer Höhle vermutet
Nie hätte ich diesen Wagen in einer Höhle vermutet

 Station 14 – Tausendfüßer mit Tiefgang

Ohne den spannenden Hinweis von Dr. Nesrine Akkari bei der Pressekonferenz wäre ich wahrscheinlich auch an dieser Vitrine vorbei gerauscht, aber die beiden kleinen „Gläser" bzw. deren Inhalt sollte man doch näher betrachten. Darin verbirgt sich ein Tausendfüßer, der das am tiefsten in einer Höhle gefundene Tier ist. Er stammt aus einer Höhle im Kaukasus und wurde 2208 Meter unter dem Höhleneingang entdeckt – und auch dem zweiten Tierchen sollte man Beachtung schenken.

Spezielle Entdeckungen
Spezielle Entdeckungen

Station 16 und 17 – Grottenolm und europäische Höhlensalamander 

Die Station 16 widmet sich meinen Freund dem Grottenolm, der ausschließlich in unterirdischen Gewässern zwischen Triest und Montenegro lebt. Sie werden bis zu 30cm groß und an die 100 Jahre alt und sind an ihre lichtlose Umgebung extrem gut angepasst. Ihre Haut ist farblos und ihre Augen funktionslos.

Mein Freund der Grottenolm
Mein Freund der Grottenolm

Bei der Station 17 seht ihr neben dem Grottenolm auch noch den europäischen Höhlensalamander. Von diesen Kletterkünstlern kennt man sieben Arten die in Italien und auf Sardinien vorkommen. Sie leben in Höhlen und Spalten, bei feuchter Witterung aber auch unter Steinen an der Erdoberfläche. Die Spannhäute zwischen den Zehen dienen auf glatten, senkrechten Höhlenwänden als Kletterhilfe.

 Station 18 – Moa

Die Moa - so richtig hatte ich sie bis dato auch nicht wahr genommen
Die Moa - so richtig hatte ich sie bis dato auch nicht wahr genommen

Irgendwie erinnern sie mich an einen Strauß. Mindestens 12 Arten dieser großen flugunfähigen Vögel gab es einst in Neuseeland. Vermutlich wurden sie bereits im 14. Jahrhundert ausgerottet. Die reinen Pflanzenfresser konnten über 3 Meter hoch und 270 kg schwer werden. Viele der Knochenfunde stammen aus Höhlen, die sich für die Moas als Fallen herausstellten, in die sie stürzen und nicht mehr herauskamen.

 Station 20 – Fledermaus

Die Fledermäuse nutzen Höhlen gerne als Unterkunft
Die Fledermäuse nutzen Höhlen gerne als Unterkunft

Die Fledermäuse sind die Wappentiere der Höhlenforschung. 16 der 28 heimischen Fledermaus-Arten nutzen meist frostfreie Höhlen als Quartier für ihren Winterschlaf. In der warmen Jahreszeit ziehen sie sich tagsüber in Höhlen zurück und ziehen in seltenen Fällen dort auch ihre Jungen auf. Auch in Wien sind Fledermäuse heimisch. Ich hatte sogar schon einmal eine auf Besuch in meiner Wohnung.

 Deck 50

Auch mein geliebtes Deck 50 widmet sich der „Höhlenforschung". Im Labor kann man Höhlen erforschen, blinde Höhlenfische bestaunen oder mit eigenen Malereien die immersive Höhlenwelt gestalten. Bei den Shows auf Deck 50 wird gezeigt welche perfekt angepassten Lebewesen die spannenden Lebensräume der Finsternis bevölkern.

Doch nicht so unspannend - da sind doch einige Highlights zusammengekommen. Dazu gibt es - nicht nur auf Deck 50 - noch einige interessante Veranstaltungen.

Alle Veranstaltungen des NHMs findet ihr hier: https://www.nhm-wien.ac.at/veranstaltungsprogramm?

Das Naturhistorische Museum Wien ist von Donnerstag bis Montag von 9:00 bis 18:30 Uhr geöffnet, am Mittwoch von 9:00 bis 21:00 Uhr. Dienstag ist geschlossen.

Hier geht´s zum Download des Plans und des Programms des Höhlenpfadwegs

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